Salento

Der Salent oder Salentu für die Bewohner des Ortes, auch Salentinische Halbinsel oder Absatz Italiens genannt, ist eine Subregion Italiens im südlichen Teil von Apulien, zwischen dem Ionischen Meer im Westen und dem Adriatischem Meer im Osten.
Die Bewohner dieser Gegend, die die Provinz Lecce, den Großteil der Provinz Brindisi und einen Teil der Provinz Taranto einschließt, unterscheiden sich vom Rest der Region Apulien aufgrund kultureller und sprachlicher Unterschiede. Vom historischem Gesichtspunkt aus hat der Salent über mehrere Jahrhunderte hinweg zur alten “Terra d’Otranto” gehört.

Die Landschaft

Die fruchtbaren Böden sind beinahe überall angebaut. Die Bäume sind vorwiegend jahrhundertalte Olivenbäume mit knorrigen und großen Stämmen. Der Landbesitz ist meist in kleine Grundstücke aufgeteilt und von kleinen Steintrockenmauern umgeben. Diese Steine wurden auch seit alten Zeiten für den Bau von Gebäuden aus Trockenmauern verwendet, die den Bauern zum Ausruhen oder zum Aufbewahren der Arbeitsgeräte dienten. Diese Bauten (je nach der Gegend furnieddhi, pajare usw. genannt), sehen den nuraghi auf Sardinien ähnlicher als den trulli in Apulien.

Zahlreich sind die befestigten Masserie (ehemalige Bauernhöfe), die auf das XVI, XVII und XVIII Jahrhundert zurückgehen. Die Dörfer haben ein typisch mediteraneisches Aussehen und strahlen im Sonnenlicht mit ihren intensiv weißen Häusern. In einer meist flachen Landschaft stehen sie in Kontrast zu den Feldern mit ihrer aufgrund des hohen Eisengehaltes rötlichen Erde. Das Meer hat eine dunkelblaue Tönung, wenn man es von den steilen Klippen des Adriatischen Meeres betrachtet, ist hingegen heller und mit vielen Abtönungen (smaragdgrün, grün, cerulean usw.), wenn von den Sandstränden oder den niedrigen Felsstränden des Ionischen Meeres aus gesehen. Längs der Küsten beider Meere gibt es nur wenige bewohnte Dörfer. Man kann aber die vielen alten Sichtungstürme mit ihrer quadratischen oder runden Form bewundern. Sie wurden über die Jahrhunderte hinweg gebaut, um sich gegen die Piratenhorden zu schützen.

Bebautes Feld Die weiße Stadt Ostuni Klippen in Sant’Antonio Strand von Pescoluse

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Die Architektur

Die Architektur erinnert mit den vorwiegend mit Kalk geweißten Häusern ohne Dächer, vor allem auf dem Land und längs der Küste, an die Städte Griechenlands. Aber die Stadtzentren sind vom Lecce–Barock gekennzeichnet, vom Platerescostil, ein Erbe der Spanier. Ganz in Gegensatz zum restlichen Barock in Italien verzichtet er auf das Übermaß an Malerei im Innern und verwandelt die Außenfassade der Kirchen und der Palaste in geschnitzte Wandbehänge. Wichtig war dabei die “pietra leccese”, weich und formbar und von warmer gelb–rosa Farbe. Die typische Struktur der salentinischen Stadtzentren ist sehr dicht (die Häuser sind nicht voneinander getrennt) mit den Gassen mit den mit Kalk geweißten Wänden (mit Ausnahme der Städte Lecce und der Gegend um Maglie, wo auch die Wohnhäuser mit dem weiß–rosaroten Stein aus den Steinbrüchen von Cursi gebaut worden sind), den lebhaften Farben der Fenster und Türen und den zahlreichen Palästen der Aristokratie und den alten Kirchen.

Typisch ist das Hofhaus arabischer Herkunkt, das auch in Sizilien verbreitet ist. Viele Gassen haben anscheinend andere Quergassen, die aber in Wirklichkeit Sackgassen sind und nur ein paar Meter weiter enden. Auf diesen Ort, der “corte” (vom Lateinischen cohorte, eingezäunter Platz), öffnen sich die Türen und Fenster vieler Wohnungen und bilden so einen gemeinsamen Lebensraum, eine Art Wohnzimmer des Volkes, wo in früheren Zeiten viele Familien den Großteil des Tages verbrachten – mit Gesprächen, Sticken und Mithelfen bei den Hausarbeiten. Außer den Töpfen mit Pflanzen finden wir beinahe in jedem Hof die charakterische “pila”, eine Art Waschbrunnen aus Stein. In einigen Zonen verstecken Tore diese “corti” und man hat den Eindruck, vor dem Eingang zu einem Wohnhaus zu stehen. In Wirklichkeit handelt es sich um den Eingang zu diesem Vielfamilienraum.

Gallipoli – Die Altstadt Santa Croce in Lecce Hofhaus Salandraplatz in Nardò

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Die Önogastronomie

Die Salentinische Küche besteht aus vielen typischen Gerichten, hauptsächlich aus Gemüse und Fisch. Sie werden von berühmten und guten DOC–Weinen wie den Primitivo di Manduria und den Negroamaro begleitet.

Unter den typischen Gerichten sind die Pezzetti, ein Fleischeintopf aus Pferdefleisch mit pikanter Sauce und die Pitta di Patate, eine dünne Pizza aus Kartoffeln mit Gemüse wie Zwiebel, Rüben und Tomaten besonders erwähnenswert. Typisch ist ebenfalls das Brot mit den Oliven puccia genannt. Es gibt auch eine “Spaziergangsönogastronomie”, den rustico, einen im Ofen gebackenen Blätterteig, der eine Mischung von Bechamelsauce, Mozzarella, Tomaten, Pfeffer und manchmal auch Muskatnuss enthält. Ein anderes typisches Produkt der ganzen Region Apuliens sind die friseddhe oder frise, harte geröstete Brotscheiben meist aus Gerstbrot, die zum Aufweichen kurz ins Wasser getaucht und dann mit Öl, Wasser und Tomaten angerichtet werden.

Verbreitet sind auch die Pittule (oder Pettule) mit Rüben, Zucchiniblüten, Stockfisch gefüllt oder auch ohne Füllung, die man in den Glühwein taucht. Die Bäckerei hat einen guten Namen. Sie ist der sizilianischen ähnlicher als der Apuliens. Um einige zu nennen: Pasticciotto Leccese, Fruttone, Boche di Dama, Pasta di Mandorle, Spumone Salentino. Erwähnenswert ist auch der Biscotto Cegliese, Kandidat für die typischen DOPprodukte. Die Basis besteht aus gerösteten Mandeln, Eiern und Zitronenschale und die Füllung aus Kirschen– oder Quittenmarmelade. Die Glasur ist aus Zucker mit Kakao und Mandeln, die aus Ceglie Messapica kommen müssen.

Pezzetti di Cavallo (ein Fleischeintopf aus Pferdefleisch mit pikanter Sauce) Frise Integrali (harte geröstete Brotscheiben) Pittule oder Pettule (Stockfisch gefüllt oder auch ohne Füllung) Pasticciotto Leccese (Gebäck) Bocche di Dama (Gebäck)

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Die Salentinischen Feste

Die Focara di Novoli (16. – 18. Januar): Es ist das charakterische Freudenfeuer des Heiligen Antonio Abate, ein Monument landwirtschaftlicher Ingenieurkunst aus Tausenden Weinstockästen, das die Höhe und den Durchmesser von 20 Metern erreicht. Es wird mit Feuerwerkbegleitung am Abend des 16. Januar angezündet. Während der Tage des Freudenfeuers kann man viele Ausstellungen und die großen Feuerwerkwettbewerbe bewundern.

Das Fuoco di San Ciro a Grottaglie (letzter Sonntag im Januar): Auf dem Dorfplatz wird ein großer Haufen Holz angezündet. Es gibt auch eine Prozession und Feuerwerke.

Die Tavole di San Giuseppe (18. – 19. März) in Cocumola, San Marzano di San Giuseppe, Erchie, Uggiano la Chiesa, Giurdignano, Poggiardo, Avetrana e Lizzano: Es handelt sich um eine alte Tradition, bei der man zu Ehren vom Heiligen Josef große Tische mit typischen Gerichten herrichtet. Man kann lucranustumpatu und die massa Culli ciciri oder die vermiceddhi verkosten. Das ist Korn oder Pasta mit Kichererbsen.

Die Osterwoche in Taranto (März oder April): Es ist eine suggestive und mystische Serie von Riten. Dabei sieht man die Mitglieder der zwei wichtigsten Brüderschaften der Kirchen von Taranto im Wettstreit um die Statue und die Stationen in den Prozessionen der “Addolorata” und der “Misteri”.

Der Mai der Madonna Odigitria in Villa Castelli (den ganzen Monat Mai): Die Statue der Jungfrau wird in Triumph durch die Straßen der Stadt getragen und dann den ganzen Marienmonat lang in den verschiedenen Häusern aufgenommen.

Der Palio di Taranto (Mai und Juli): Es ist eine Veranstaltung im Kostüm. Sie besteht aus zwei Regatten mit zehn Ruderbooten der verschiedenen Stadtteile. Der Preis wird erst nach den zwei Wetten am 8. Mai und am dritten Sonntag im Juli verliehen.

Die Festa patronale di Santa Domenica in Scorrano (5. – 7. Juli): Man feiert die Schutzpatronin der Stadt, Santa Domenica. Während dieser Tage geben die Erzeuger von Festbeleuchtungen ihr Bestes – einfach ein Erlebnis.

Das Torneo dei Rioni in Oria (zweite Augustwoche): Es ist eine mittelalterliche Veranstaltung in Kostüm, die in zwei Tagen abläuft. Am Samstag findet die historische Parade in den Straßen des Städtchen statt und am Sonntag kann man den Wettspielen zwischen den Stadteilen, denen die Verleihung eines Preises folgt, zuschauen.

Die Danza delle spade in Torrepaduli (15. und 16. August): Es handelt sich um die Tänze der “Notte di San Rocco”, bei denen bei Trommelrythmen Männerpaare ein Duell mimen, indem sie tanzen und sich mit Armen und Händen herausfordern.

Die Cavalcata dei Devoti in Ostuni (26. August): Es ist ein alter Ritus anläßlich der Festlichkeiten für den Schutzpatron Sant’Oronso. Die Cavalcata di Sant’Oronzo ist eine Parade von Pferden und Reitern. Die Pferde werden mit Schabracke geschmückt und die Reiter tragen rote Uniformen mit vielen Stickereien und Pailetten. An den drei Festtagen finden auch gleichzeitig zwei Messen statt.

Die Notte della Taranta in Melpignano (zweite Augusthälfte): Es ist ein Festival der Salentinischen Volksmusik, der Pizzica, das in mehreren Gemeinden der Provinz Lecce und der Grecia Salentina stattfindet und dann seinen Höhepunkt im August erreicht. Die Tournée in den Dörfern des Salento endet mit enem großen Endkonzert in Melpignano, das bis tief in die Nacht dauert und Zehntausende von Zuschauern herbeiruft. Der bedeutendste Beitrag kommt vom Volksorchester “Notte della Taranta”.

Die Focara di Novoli Das Fuoco di San Ciro Die Tavole di San Giuseppe Die Osterwoche Santa in Taranto Madonna Odigitria in Villa Castelli Palio di Taranto Festa Patronale di Santa Domenica Torneo di Rioni Cavalcata dei Devoti in Ostuni Notte della Taranta in Melpignano

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